Das tapfere Schneiderlein
DEFA-Verfilmung des bekannten Märchen der Gebrüder Grimm.
Sieben Fliegen auf einen Streich erledigt der Schneidergeselle.
Durch diese Tat ermutigt, beschließt er, in die Welt zu ziehen. Nach glücklich überstandenen Gefahren kommt er an den Hof des Königs. Die selbstgeschneiderte Schärpe kündet von seiner Heldentat, und so will der König ihn in den Dienst nehmen, damit er furchtlos die ärgsten Feinde des Reiches vertreibt. Doch den Höflingen passt dieser Ritter ganz und gar nicht. Mit zahlreichen gefahrvollen Aufgaben versuchen sie ihn loszuwerden. Aber das Schneiderlein ist dank seiner Pfiffigkeit und einigen treuen Helfern unschlagbar. Da flieht der König samt Hofstaat, und das Volk setzt den Schneider auf den Thorn. Aber nicht die überhebliche Prinzessin wählt er als Braut, sondern die anmutige Magd Traute.
Mit Kurt Schmidtchen, Fred Kronström, Gisela Kretzschmar, Horst Drinda, Wolf Kaiser, Gerhard Frei, Walter Torge, Helmuth Rudolph, Fred Mahr; Regie: Helmut Spieß
Kritiken
In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Aufführung des Films 1957 vom Interministeriellen Ausschuß für Ost-West-Filmfragen verboten und erst nach einer erneuten Prüfung 1958 doch genehmigt.
Die zeitgenössische Kritik monierte die sozialistische Tendenz des Films als „unangebrachte Aktualisierung“: „Gibt es in den alten Märchen nicht auch so schon genug tiefen humanistischen Gehalt, den es zu erfassen gälte?“
Andere Kritiker schrieben ironisch, dass dem Film nach die Gebrüder Grimm wohl „geschulte Marxisten“ gewesen sind und der Film „die vulgäre Anwendung marxistischer Grundsätze“ zeige, so seien „alle Märchenfiguren klassenmäßig grob rubriziert.“
Andere Kritiker empfanden, dass im Film „auf glückliche Art das gesellschaftskritische Element des Volksmärchens lediglich ausgebaut und fortgeführt worden [sei]“.
Auch spätere Kritiker nannten die Modernisierung vor allem des Hofstaates leicht und heiter. Kritisiert wurden hingegen ästhetische Mängel des Films, so sei auf Trickaufnahmen verzichtet worden und das Gestaltungskonzept des Films eher experimentell.
Ingelore König, Dieter Wiedemann, Lothar Wolf (Hrsg.): Zwischen Marx und Muck
Für das Lexikon des internationalen Films war Das tapfere Schneiderlein „ein mit großem Aufwand und in sorgfältiger Dekoration erstellter Märchenfilm [… und] eine unterhaltsame, wenn auch angestaubte Märchen-Unterhaltung; in gewissem Maße sind sozialistische Umdeutungen des Märchens erkennbar, etwa wenn der König als Ausbeuter und der Arbeiter als Befreier dargestellt werden – was aber schon im Märchen angelegt ist“.
Lexikon des internationalen FIlms
Daten
DDR1956
Laufzeit: 81 Minuten
freigegeben: ab 0 Jahren
Bild: 4:3 Farbe
Ton/Sprachen: Deutsch
Zustand
gebraucht
System
VHS Videokassette
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